Zum "Anschluss", Einmarsch Deutscher Truppen am 12.März 1938.

Da hatte man Jugendliche in Österreich gefragt, wie sie persönlich damals vor 70 Jahren gehandelt hätten. Man nannte es "Anschluss an das Großdeutsche Reich". Fast alle meinten, sie hätten Widerstand geleistet, zum Teil sogar bewaffneten. Diese Antworten zeigten mir wieder einmal, wie schlecht, unvollständig und einseitig man die Jugend über diese Zeit damals informiert hat. Einerseits verständlich (Antisemitismus), aber andererseits ..... Da hatte vor einiger Zeit eine junge Frau in einem Forum gemeint, sie schäme sich ihres Großvaters und verachte ihn, weil auch er ein Nazi war! Dies gab den Ausschlag, dass ich diese Zeilen schrieb. Die wenigsten der jüngeren Generationen wissen überhaupt, wie die Nazis am Anfang zu ihren Wählern und Anhängern kamen und wieso es ihnen gelang, den Hass auf die Juden so zu schüren! Ohne der Weltwirtschaftskrise wäre dies wahrscheinlich aber auch gar nicht möglich gewesen und das war auch der Grund, wieso Adolf Hitler von so vielen Menschen jubelnd empfangen wurde. Sie sahen in ihm eine Art Messias, mit dem ihre Not bald eine Ende haben würde!   

Zum besseren Verständnis und als Beispiel mein schon lange verstorbener Ex-Ex-Schwiegervater. Eine Frau, drei Kinder, schon lange Zeit keine Arbeit mehr und zu essen gerade genug um nicht zu verhungern. Weihnachten steht vor der Türe, kein Geld für ein nur halbwegs festliches Essen, geschweige denn Geld für Geschenke, auch kein Weihnachtsbaum. Einen Tag vor dem heiligen Abend kam einer der "Braunhemden", wünschte im Namen der Partei ein Frohes Fest, gab ihm etwas Geld und ein kleines Bäumchen. Es war natürlich "Wählerfang" und jemand, der noch nie wirklich hungrig war und auch immer Geld von der Arbeitslosen-Versicherung bezieht, kann es vielleicht nicht verstehen, aber die so Beschenkten waren dankbar bis begeistert und in der Hoffnung, dass es ihnen bald wieder besser gehen würde, traten viele der NSDAP bei. Wer dies nicht begreifen kann, hat das Einfühlungsvermögen eines Strohsackes! Dann offerierte man den Leuten die Juden als die einzig Verantwortlichen für ihre Not
(siehe weiter unten) und Ansprachen, Zeitschriften und Bücher welche dies noch untermauerten, waren allesamt psychologische Meisterwerke! Außerdem gab es bald darauf wieder Arbeit. Die später verübten Gräueltaten, für die es einfach keine Entschuldigung gibt und auch nicht geben darf, waren aber zu diesem Zeitpunkt bestimmt nicht vorhersehbar!

Wie leicht man Menschen manipulieren, aufhetzen, und sogar zu fanatischen Mördern machen kann, hat man erst vor wenigen Jahren in Jugoslawien gesehen. Und all dies, ohne dass es den Menschen so schlecht ging, wie den Österreichern damals in den Dreißigern. Da werden mitten in Europa und vor den Augen der ganzen Welt Tausende Menschen vertrieben, umgebracht, in Massengräbern verscharrt und Hunderte Frauen vergewaltigt! Wer hätte so etwas heute überhaupt noch für möglich gehalten!

Unten etwas, was anscheinend Viele der jüngeren Generation, egal welcher "Seite", bis heute noch nicht wissen. Jede Geschichte hat einen Anfang und ein Ende, man hat ihnen meistens aber nur das Ende erzählt. Die Zeilen unten beziehen sich auf den Anfang!
   
Bedingt durch die große Wirtschaftskrise in den "Zwanzigern" und "Dreißigern" des vorigen Jahrhunderts ging es vielen Leuten mehr als schlecht. Geld und bezahlte Arbeit waren Mangelware und so Mancher musste sich notgedrungen von all dem trennen, was er nicht unbedingt zum Leben benötigte. Das waren Schmuck, Gemälde, Antiquitäten, Grundstücke, Häuser und einst gut gehende Geschäfte, die zu einem Bruchteil des eigentlichen Wertes verkauft werden mussten. Das dazu nötige Geld besaßen meist nur jüdische Geschäftleute und sie nutzten die Not dieser Menschen schamlos aus. Meines Wissens entstand damals der Spruch: "Die nehmen uns auch noch das Weiße aus den Augen raus!" Arbeit gab es, wenn überhaupt, zumeist auch nur bei Juden und die Goij (Christen) arbeiteten für einen Hungerlohn, um sich und ihre Familie nur halbwegs ernähren zu können. Ein schon verstorbener Verwandter hatte mir vom Ausspruch einer jüdischen Geschäftsfrau erzählt, für die er gearbeitet hat:  "Der Goij ist zum Arbeiten da, der Jude zum Geldverdienen."  Jedenfalls machten sich damals die Juden keine Freunde und die Nazis nützten diese Stimmung auch leidlich aus. Natürlich waren nicht alle "besitzenden" Juden so skrupellos, aber auch nicht alle Nazis waren Verbrecher oder Mörder! 

Etwas, was ich von meiner Mutter erst vor wenigen Jahren erfahren habe: Als meine Eltern mit meiner  Mithilfe daran gingen, eine Familie zu gründen, wurde eine passende Wohnung in Wien gesucht. Darunter war auch eine große "arisierte" Wohnung in einem "Patrizierhaus" in der Josefstadt. Zweiter Stock, Lift, Erker, Badezimmer, Marmor im Stiegenhaus, Messinggeländer, usw. Der Traum eines jeden Mieters. Mein Vater meinte aber, dass es sicherlich kein Glück bringen würde, seine Zukunft auf dem Leid anderer aufzubauen! Meine Kindheit und Jugend verbrachte ich daher in einer kleinen Substandardwohnung. Nur zur Sicherheit: Mein Vater war der NSDAP nicht beigetreten, obwohl man es ihm nahe gelegt hatte und er dadurch auch berufliche Vorteile gehabt hätte!