MEIN FÜHRERSCHEIN, usw. 

Es war anno 1956 und meine Eltern gehörten zu den wenigen Leuten, welche sich damals dank viel Fleiß und Sparsamkeit ein neues Auto kaufen konnten. Es wurde ein wunderschöner hellblauer Ford Taunus 12m.

Apropos Sparsamkeit: Mein Vater war schon vor dem Krieg ein "Volkswagen-Sparer". Da zahlte man monatlich einen bestimmten Betrag ein und wenn alles beisammen war, bekam man eben einen neuen VW. Bei Kriegsanfang benötigte der Adolf aber nicht nur Fahrzeuge sondern auch Geld. Der schon fast ausbezahlte Wagen und auch das Geld waren futsch! Ich habe auch niemals von einer "Wiedergutmachung" gehört, ist doch komisch, nicht?!

Mein Vater hatte 1955 den Führerschein gemacht, aber so tüchtig er auch in fast allen anderen Bereichen war, in punkto Autofahren war er ein Antitalent (sorry Papschi). Eine Bekannte hatte eine Fahrschule (Peters) und er machte dort seinen Führerschein. Er schaffte die Prüfung erst im 3. Anlauf und Frau Peters meinte später zu mir, dass sie nicht gedacht hätte, dass er es überhaupt schaffen würde! Meine Mutter hatte zur gleichen Zeit bei einer anderen Fahrschule (am Karlsplatz) den Schein gemacht. Die zum Teil noch bis heute verbreitete männliche Meinung über das Fahrkönnen des weiblichen Geschlechtes hatte damals wirklich 100%-ige Berechtigung! Doch meine Mum war eine der wenigen Ausnahmen! Sie fuhr besser als so mancher Mann und beherrschte auch das reversieren (einparken), was für sehr viele Frauen noch bis heute ein Problem ist.

Mein Vater wusste über sein Fahrkönnen und fuhr auch nicht sehr gerne, vom Einparken ganz zu schweigen! Wegen dem abwechseln bei längeren Fahrten ein Problem für den für 1956 geplanten Italienurlaub! Also einigte man sich im Juni darauf, dass ich rasch ein paar private Fahrstunden bei einem Fahrlehrer von Frau Peters machen soll. (*)

Das "Fahrtalent" hatte ich zum Glück von meiner Mutter geerbt und nach drei Stunden mit dem Fahrlehrer und zwei mit der Chefin persönlich meinte sie, das müsste reichen und der Italienurlaub war gerettet.

Mein endgültiger Führerschein im Herbst war eine lustige Sache! Technisch war ich schon immer interessiert und auch mit Verkehrsregeln und Zeichen war ich gut vertraut, weil ich mit dem Fahrrad schon jahrelang in Wien unterwegs war. Blieben also noch die Fahrstunden und die waren einfach super!! Fahren konnte ich ja schon, aber ich musste das verlangte Minimum von 10 Fahrstunden absolvieren und die Lösung war ideal! Ich war praktisch der Privatchauffeur von Frau Peters und wir fuhren mit dem Wagen, den sie auch privat fuhr. Wege zu Verkehrsamt, Versicherungen, Einkäufe, andere Besorgungen, usw. Wenn ich Zeit hatte, waren es meist mehr als 60 Minuten. Nur einmal war sie krank und ich machte die Stunde mit einem Fahrlehrer. Ich fuhr wie gewohnt relativ zügig mit der Dritten und als es leicht bergauf ging, schaltete ich zurück auf die Zweite. "Ich hab schon gedacht, sie haben vergessen, das es auch einen zweiten Gang gibt", meinte er irgendwie anzüglich. "Ich will ja nicht , dass sich das Auto der Chefin untertourig plagen muss!" antwortete ich. Darauf er: " Ach so, danke im Namen der Chefin und auch in meinem! Es ist ja eigentlich auch mein Auto. Ich bin nämlich der Mann von der Chefin !!" Ich war ziemlich überrascht und auch ein wenig verlegen, aber er hatte nur gelacht. "Also was das Fahren anbelangt, brauchen sie vor der Prüfung keine Angst zu haben!" Und nach der Fahrstunde lud er mich in einem Lokal neben der Fahrschule noch auf einen Kaffee ein. Die nächste, es war auch letzte Fahrstunde fuhr ich wieder mit Frau Peters und sie hatte über die Sache mit ihrem Mann, dem Chef herzlich gelacht. Er hatte es ihr natürlich erzählt. 

Ich hatte auch das andere auf Anhieb geschafft und seit Januar 1957 habe ich (leider nur) den B-Führerschein für PKW. Eigentlich wollte ich später auch noch die anderen Gruppen nachholen, aber es fehlte hauptsächlich an der Zeit und auch ein wenig am Geld. Mit dem B-Schein durfte man aber auch mit einem Motorroller bis 125 ccm fahren und das genügte mir damals.

(*) Der oben erwähnte "Privat-Fahrlehrer" war hauptberuflich Polizist. Er war bei der motorisierten Streife als "weiße Maus" und war/wurde einer der berühmtesten Wiener Polizisten überhaupt! Siehe Adresse unten. (Kommt erst weiter unten!) 

http://www.viennatouristguide.at/Friedhoefe/Zentralfriedhof/Index_40_Bild/40_welitsch_176.htm