Erinnerungen eines Autofahrers

Beim letzten Rädertausch dachte ich plötzlich einige Jährchen zurück. Gab es eigentlich in den Fünfzigern und Anfang der Sechziger schon Winterreifen? Ich konnte mich jedenfalls nicht mehr daran erinnern. Freunde bestätigten meine Vermutung, es gab noch keine. Kann sich heute wahrscheinlich keiner mehr vorstellen. Da fielen mir nach und nach auch noch andere Dinge ein, die mit dem Fahren anno dazumal zu tun hatten. Vorderradantrieb gab´s auch noch nicht und daher waren im Winter die eher seltenen Autos mit Heckmotor im Vorteil. Unschlagbar war da der VW-Käfer! Ich hatte später auch einen und in Wien parkte ich des öfteren in Teilen der Schneehaufen, den Andere beim Ausschaufeln ihres Parkplatzes angehäuft hatten. Mit viel Gas hinein in den Haufen, wieder zurück und vor, zurück und vor, usw. und in der Früh kam ich relativ leicht wieder raus. Ich muss aber fairerweise erwähnen, dass die Autos damals noch nicht dicht an dicht standen wie heute, es gab noch nicht so viele. Oder man legte sich Sandsäcke in den Kofferraum. Einer meiner Freunde wollte aber nicht auf das Fassungsvermögen des Kofferraumes verzichten und war ganz gierig auf alte Autobatterien. Es ging ihm um die darin enthaltenen Bleiplatten und er machte täglich in der Mittagspause seine Sammeltouren zu Autoschrott- und Alteisenhändlern und erstand alles was er an Blei bekommen konnte. Er schmolz das Zeug im Backblech auf den Flammen des Gasherdes in 3cm dicke Platten, pflasterte damit seinen Kofferraum und war somit aus dem Schneider! Ich hatte damals einen Fiat 1100E und verwendete meine damalige Freundin statt der Bleiplatten. Da der Fiat aber fast keinen Kofferraum hatte in dem ich sie - die Freundin -unterbringen hätte können, musste sie sich auf die rückwärtige Stoßstange stellen und an der Regenrinne festhalten bis ich aus dem Schneehaufen raus war. Glaubt Ihr, das würde heute noch eine Frau machen?!! Andererseits war es aber doch angenehmer mit dem Töff nach Hause gebracht zu werden, als zu Fuß oder mit der Straßenbahn, denn wie schon erwähnt Autos gab es noch nicht sehr viele. Apropos Freundin, damals waren die Autos auch noch "kuschelfreundlicher" als heute. Die meisten hatten Lenkradschaltung, das heißt der Schalthebel befand sich an der Lenksäule und statt der beiden getrennten Vordersitze gab es eine durchgehende Sitzbank.  

Oder noch etwas was man sich heute kaum vorstellen kann: Ich erstand einen gebrauchten Opel Rekord Baujahr 1953 um nur 7.000 ÖS (1.000 DM) weil er nicht mehr fahrbereit war. Die Achsschenkelbolzen waren derart ausgeschlagen, dass man das Lenkrad ca. 15cm drehen musste, bevor die Lenkung ansprach! Auf der Autobahn bei starkem Seitenwind eine lustige Sache, der Wagen wechselte dabei fast eine halbe Spurbreite. Alles ist nur Gewohnheit und ich fuhr den Wagen immerhin noch mehr als 2 Jahre in diesem Zustand bevor ich ihn wieder verkaufte. Man sparte auch bei den Reifen, sie waren aber um einiges teurer als heute und Schlauchlose gab es auch noch nicht. Wenn man z.B. am Reifen einen Riss oder etwas ähnliches hatte, half man sich wie folgt: Man schnitt von einem alten (noch älteren) Reifen ein dementsprechend breites Stück fast über die ganze Reifenbreite bis zum Wulst herunter, schnitt mit einem scharfen Messer das Profil weg und legte diese „Manschette" innen über die beschädigte Stelle des Reifens. Schlauch rein, aufpumpen und fertig. Klarerweise rumpelte es ein wenig, aber immerhin fuhren wir damit auch noch bis zu 130 Kmh. Auswuchten, was ist das? Prüfplakette, was ist das? Dann irgendwann kam die Unterbodenwäsche mit darauf folgendem, gar nicht so billigen Unterbodenschutz  in Mode. Ein alter Mechanikermeister, dem ich hin und wieder beim Reparieren über die Schulter gucken und fallweise auch ein wenig helfen durfte, fand dies für unnötig. "Blödsinn, der beste Schutz ist der fette Dreck!" Und er hatte da noch eine Philosophie, bezüglich kleiner Mängel an alten Autos. "So lange die Karre fährt, die Bremsen funktionieren und man keine klopfende Geräusche hört die einen Motorschaden ankündigen, alles lassen wie es ist! Je mehr man in einem alten Auto herumstochert, desto mehr macht man vielleicht kaputt!"
Die kommenden Wort werden manche vielleicht für dumm halten, aber ich bin der Meinung bis zu einem gewissen Grad trifft diese Philosophie auch auf den menschlichen Körper zu!

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