KRA DER ANGSTHASE.
Ganz unten einige Fotos 

Ich hatte eines Tages gesehen, dass zwei Nebelkrähen öfters hintereinander den Wipfel einer meiner Fichten besuchten. Krähen hatten sich bisher nur selten zu mir verirrt. Aber diese zwei kamen immer wieder und in immer kürzer werdenden Abständen. Das könnte bedeuten, dass sie dort oben in 15-20m Höhe ein Nest bauten oder vielleicht sogar schon eines gebaut hatten und Junge versorgten? Wenn es wirklich der Fall war, würde es mich irgendwie stolz machen. Wieder eine neue Vogelart, der es bei mir gefällt und ein Pärchen, das hier ihren Nachwuchs aufziehen möchte!? Es hatte wirklich gestimmt, aber die Bestätigung bekam ich nicht ganz so wie ich es mir gewünscht hätte! Der stürmische Wind hatte anscheinend ein Junges aus dem Nest geholt. Es landete ungefähr 8-10 Meter tiefer auf dem Ast einer anderen Fichte, wo ich es zufällig durch das geschlossene Fenster bemerkte. Es hatte den Kopf nach oben gestreckt und öffnete immer wieder weit den Schnabel. Wahrscheinlich rief es nach der Mutter. Kurz sah ich auch eine andere Krähe, vielleicht war es die Mutter, aber nachdem allem Anschein ihre Lockrufe keinen Erfolg brachten, flog sie wieder weg. Ich machte ein paar Fotos, aber ich konnte ja nicht den ganzen Tag am Fenster stehen bleiben. Ich erledigte einige Einkäufe und als ich zurück kam, saß es noch immer auf dem Baum, aber schon einige Äste tiefer. Nach zwei weiteren Stunden hatte es das Kleine teils hüpfend, teils flatternd geschafft, noch tiefer zu kommen, aber dann verließ es der Mut oder die Kraft und es versuchte nur mehr in die Nähe des schützenden Stammes zu kommen. Dort blieb es dann sitzen! Inzwischen hatte es auch leicht zu regnen begonnen. Ich überlegte, wie ich dem Vogel helfen könne, aber der Baum stand auf dem steilen Hang hinter dem Haus und dort wo das Kleine saß, sah ich keine Möglichkeit. Auf der anderen Seite des Baumes verlief ein schmaler Weg und wenn es der Vogel nur eine Astreihe tiefer und auf die andere Seite schaffen würde, könnte ich ihm irgendwie helfen. Ich ging also hinauf und nahm zur Sicherheit gleich eine kleine Plastikschaufel mit Stiel mit. Mit leiser und beruhigender Stimme näherte ich mich ganz langsam und es flüchtete nicht. Es drehte nur den Kopf zu mir und sah mich an. Vielleicht besitze ich hypnotische Kräfte, jedenfalls nach einigen Minuten hüpfte es tatsächlich auf einen tieferen Ast und kam auf diese Seite des Baumes. Noch ein Hops, dann blieb es sitzen und sah mich wieder an. Man könnte es vielleicht als Hilfesuchend interpretieren? Ich hielt jetzt die Schaufel so knapp als nur möglich vor den Ast worauf das Kleine saß und nach einigem Zögern und mehreren Versuchen war es auf den äußersten Rand der Schaufel gestiegen. Das Gefühl das ich jetzt empfand, ist schwer zu beschreiben, aber es war einfach schön! Es hatte jedoch Probleme, so auf dem Rand der Schaufel die Balance zu halten, aber noch weiter auf die Fläche der Schaufel getraute es sich nicht. Ich drehte mich also vorsichtig zum Weg hin und ließ es von der Schaufel auf den Boden steigen. Es blieb kurz stehen, sah mich an und hüpfte dann auf etwas wackeligen Beinen und leicht torkelnd in Richtung Stiege, die zum Gerätehaus hinunter führt. Dabei stolperte es auch zwei Mal. Vielleicht hatte es sich beim Sturz doch leicht verletzt? Die Stufen machten mir etwas Sorgen und ich ging den Weg auf dem ich gekommen war hinunter und dann über diese Stiege hinauf. Aber die Krähe war verschwunden! Nach vielleicht 10 Minuten suchen gab ich es auf. Aber es gibt noch eine Fortsetzung:

Am nächsten Morgen, es hatte geregnet, saß die kleine Krähe in einer trockenen Ecke meiner Terrasse! Sie hob immer wieder den Kopf, so als ob sie nach etwas Ausschau hielt. Ich dachte, sie müsste schon Hunger haben, holte einige Walnussstücke und gab sie einen Blumentopfuntersetzer. Aber sie interessierte sich überhaupt nicht dafür und blickte nur immer wieder nach oben. Ich war ziemlich sicher, dass sie ihre Mutter gesehen hatte. Krähen sind aber sehr scheu und ich ging daher zurück zur Eingangstüre und blieb dort stehen. Ich hatte die Kamera mitgenommen als ich die Nüsse geholt hatte und machte einige Fotos. Das Kleine wurde immer nervöser, stand jetzt auf und stolzierte der Terrassenbegrenzung entlang nach links, wieder zurück und immer wieder der Blick nach oben. Irgendwie hatte ich den Eindruck, als empfand sie die Gitterstäbe der Terrasse als Käfig und ich hatte recht! Rechts auf dem Nachbargrundstück hatte ich schon öfters Krähen gesehen und auf dieser Seite flatterte sie einige Male hoch, so als versuche sie drüber zu fliegen. Aber entweder fehlte ihr noch die nötige Kraft oder der Mut und sie brach ihre Versuche immer wieder ab. Sie versuchte zwischen den Gitterstäben durchzukommen, aber immer wieder drehte sie um! Sie tat mir richtig leid und ich überlegte schon, ob ich ihr helfen soll! Da sah ich mehr aus den Augenwinkeln heraus den Schatten eines größeren Vogels und ging rasch ins Haus. Nach einigen Minuten sah ich durch den Küchenvorhang, wie tatsächlich eine Krähe auf der Terrasse landete. Grade jetzt war die Batterie meiner Kamera leer. Aber wahrscheinlich wären die Fotos durch den dichten Vorhang ohnedies nichts geworden. Eigenartigerweise gingen aber die beiden nicht aufeinander zu, ganz im Gegenteil, die andere Krähe flog wieder weg! Vielleicht war es gar nicht die Mutter? Das Kleine saß nun wieder zwischen den Gitterstäben und ich erledigte einen dringenden Weg. Bis hierher hatte ich Fotos gemacht, ab jetzt leider nicht mehr, weil ich den Akku noch nicht getauscht hatte, ich Dödel! Als ich zurück kam, war es weg! Etwas später bemerkte ich, dass sich die Zweige des Holunderstrauches neben der Terrasse bewegten. Es hatte also doch den Meter Entfernung bis zu den ersten Ästen geschafft und langsam arbeitete es sich auf den dünnen Ästen in Richtung Nachbargrundstück. Aber am Ende des Strauches angekommen, fehlten noch immer zwei bis drei Meter und jetzt verließ es wieder der Mut. Ich holte also die bewerte Schaufel vom Vortag und hielt sie wieder dem Vogel entgegen und wieder hatte ich Erfolg damit. Aber etwas anders als gestern. Sie verzichtete auf die Schaufel, flatterte auf meinen Kopf und sofort weiter über Nachbars Zaun und gleich noch ein Stückchen weiter bis zu einem leicht ansteigenden asphaltierten Weg! Diesen stolzierte sie hinauf und nun sah ich auch weiter oben die Mutter (?) sitzen. Sie wartete ein wenig und flog dann auf einen kleinen Obstbaum. Das Kleine flatterte bis zu diesem Baum, sah nach oben und flatterte hinterher!! Die Blätter verhinderten zwar den Blick auf das "weitere Geschehen" aber ich war trotzdem happy! Ich wartete noch eine Zeitlang, doch im Baum blieb es ruhig und ich ging wieder ins Haus. 

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