Ein blauer Montag

Ein Mann, sehr spät zu Bett gegangen,
weil er die Nacht hindurch gezecht,
versucht den Wecker zu erlangen,
der ihn zum Aufsteh´n mahnen möcht´.
Er tastet hin, er tastet her,
das blöde Ding, es lärmt so sehr!
Jetzt hat er es und will´s verbissen,
zum Schweigen bringen unter´m Kissen.
Doch oh Schreck! Er fährt empor,
kalt und nass fühlt er´s am Ohr
und vom Haar tropft´s auf die Nase,
verdammt, der Wecker war die Vase!
Weil Uhr und Vase gleichermaßen,
zum steh´n nur einen Fuß besaßen,
hat er das falsche Ding erbeutet.
Der Wecker höhnisch weiter läutet!
Fluchend hebt er schon die Faust,
doch bevor sie niedersaust,
dem Ding den Garaus machen will,
steht der Klöppel plötzlich still.
Er besinnt sich, stemmt sich auf,
kratzt genüsslich seinen Bauch,
hebt die Arme, streckt die Glieder, ... 
und legt sich stöhnend wieder nieder.
Doch prompt vergeht ihm d´ran der Spaß,
sein nackter Rücken liegt im Nass.
Mit einem Schrei und einem Fluch,
verlässt er rasch das nasse Tuch.
Er wankt nun müd´ zum Badezimmer,
stößt den Zeh´ sich an, wie immer,
an dem Staffel von der Pforte
und murmelt hundsgemeine Worte.
Er wäscht sich Hände und Gesicht,
alles and´re sieht man nicht,
flüchtig schabt er seinen Bart,
das Zähneputzen er sich spart.
Ein paar Striche mit dem Kamm,
dann zieht er seine Kleider an.
Weil er zur Zeit ist ohne Frau,
verlässt er hungrig seinen Bau.
Meist frühstückt er im Kaffeehaus,
wo er als Gast geht ein und aus
und sicher ein paar Freunde warten.
Er geht zum Wagen, will ihn starten.
Der Schlüssel steckt, der Starter dreht,
doch der Motor stille steht.
Er steigt aus und hebt die Haube,
sucht nach einer lock´ren Schraube,
verzweifelt er an Kabeln zieht,
auch dort er keinen Fehler sieht.
Er zerrt die Stecker von den Kerzen,
langsam ihn die Finger schmerzen.
Mag sein, die Spule ist im Eimer,
Strom geht rein doch raus kommt keiner?
Den Schraubenzieher nimmt er nun,
und stochert fleißig damit ´rum.
Plötzlich Funken und ein Schlag,
dort wo die Hand am Werkzeug lag.
Schleunigst lässt er dieses los,
denn der Schreck ist riesengroß!
Ganz unten liegt der Schraubendreher,
mit Vorsicht tastet er sich näher.
Fällt er hinunter, wär das bitter,
denn vom Kanal ist da das Gitter.
Er steht schon auf der Zehenspitze,
da streift die Schulter jene Stütze,
die die Motorhaube oben hält,
und krachend diese niederfällt!
Den Kopf durchzucken wilde Schmerzen,
er verflucht die Kabel, Stecker, Kerzen,
und befreit sich schimpfend von der Last.
Wie sehr er dieses Auto hasst!
Wütend lässt er alles steh´n und liegen,
steigt wieder hoch die achtzig Stiegen,
benützt noch kurz den Wasserhahn
und ruft die Gelben Engel an.
Der Pannenfahrer hat dann festgestellt,
was dem Wagen hat gefehlt.
Am Auto, da war gar nichts hin,
es war im Tank nur kein Benzin.
Verschämt er seinem Helfer dankt,
die Stufen wieder aufwärts wankt,
befreit sich rasch von Dreck und Fett
und legt sich wieder in sein Bett!

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