Mein Morgenkaffee

Seit Monaten, ich denke es sind schon fast Jahre, will ich meine "Erlebnisse" bei der Zubereitung meines morgentlichen Kaffee´s niederschreiben. Man soll nicht glauben, wie viele verschiedenen Möglichkeiten der Kaffeezubereitung es gibt! Damit meine ich aber auch "versuchte" Möglichkeiten. Der "normale" Vorgang der Reihe nach:

Den Wasserbehälter der Maschine mit der nötigen Menge Wasser füllen, in den Filtereinsatz den passenden Filter geben, in diesen die gewünschte Menge Mahlkaffe, den Einsatz auf das Glas, in dem der fertige Kaffe landen soll, geben und dann Glas mit Filtereinsatz, Filter und Mahlkaffe in die dafür gedachte Aussparung in der Kaffeemaschine unterbringen. Klingt komplizierter als es ist. Zumindest sollte man meinen!

Variante 1: Alles, wie bisher beschrieben, aber vergessen, die Kaffeemaschine einzuschalten. Kein sonderliches Problem, bis auf die Wartezeit auf den für mich lebenswichtigen Morgenkaffee. Dies passiert mir ca. drei Mal pro Woche.

Variante 2: Alles, wie bisher beschrieben, jedoch den ersten Punkt, das Wasser in den Behälter zu geben, vergessen. Als noch ungelernter Kaffeekoch füllte ich eben Wasser nachträglich ein. Pfffft machte es und blies mir mit einem Gemisch aus siedend heißem Wasser und feuchtheißer Luft, ich glaube es heißt Dampf, die Hälfte des Mahlkaffee´s wieder aus dem Filter. Mehraufwand: Zeit für´s Reinemachen und Kosten für´s Kaffee-Ergänzen.

Variante 3: Vergessen, den Mahlkaffe in den Filter zu geben. Das Ergebnis, eine herrlich klare und heiße Flüssigkeit, der aber die Farbe und der Geschmack des Kaffee´s abging.

Variante 4: Die Maschine einschalten, aber das für den fertigen Kaffee vorgesehene Glas samt Filtereinsatz, Filter und Mahlkaffee vergessen, in die Maschine zu schieben. Diese Variante bringt außer der verlängerten Wartezeit auch noch viel zusätzliche Arbeit. Zuerst den Netzstecker ziehen, dann das in der Heizmulde der Kaffeemaschine angesammelte Wasser in die Abwasch leeren, gründlich den Rest aus den Fugen aufsaugen, von der Kredenz, dort steht immer meine Maschine, mit einem Schwammtuch das immer noch täuflisch heiße Wasser aufsaugen, trocken wischen und dann auch den Fußboden trockenlegen. Letzteres hat den Vorteil, dass der Boden früher, als vorgesehen gereinigt wird.

Variante 5: Diese hat meine Tochter Claudia erfunden, als sie mir in einer Anwandlung von überschäumender Vaterliebe den Kaffee zubereiten wollte. Übrigens das erste und auch letzte Mal. Den Mahlkaffee gab sie der Einfachheit halber gleich mit in den Wasserbehälter der Maschine. Das Ergebnis war eine leicht bräunliche Flüssigkeit, die aussah, wie der flüssige Inhalt meines vollen Terrassen-Aschenbechers, den ich vergessen hatte, vor dem Regen ins Trockene zu bringen. Mehraufwand: Zeit und nochmalige Kosten für Filter und Kaffee.

Variante 6: Den Mahlkaffee ohne Filter in den Einsatz gegeben. Das Ergebnis: Extrem rascher Durchlauf und eine Art von türkischer Kaffee, bei dem man nach Fertigstellung eine halbe Stunde warten muss, bis sich der "Sud" auf dem Boden abgesetzt hat. Schon als Kind hasste ich türkischen Kaffee, den meine Tante fallweise zubereitete, um aus dem Bodensatz die Zukunft für uns lesen zu können. Hat ihr irgendwer beigebracht und zu besonderen Familienfeiern hat sie uns damit "erfreut".

Variante 7: Statt nur einem Filter, schlaftrunken, wie ich es zur Morgenstunde immer bin, gleich noch einen obenauf gelegt. Die Wartezeit ist gigantisch und das Endprodukt wirft nicht einmal den schwächsten Neger um!

Variante 8: Diesmal zwar nur einen Filter genommen, aber nach dem Füllen desselben mit Mahlkaffee die Aufbewahrungsdose fein säuberlich weggestellt, gleich darauf aber wieder genommen, geöffnet und noch eine Portion Mahlkaffee dazugegeben. Dieses Produkt nun wirft aber den stärksten Neger um! Meinen bedienten Magen auch. Zusätzliche Ausgabe: Meine Magentabletten.

Variante 9: Mit der Zubereitung ist alles in Ordnung, habe aber vergessen Süßstoff, oder Zucker in die Tasse zu geben. Ich hasse bitteren Kaffee! Aber der Schock des ersten Schluckes weckt mich umgehend auf.

Variante 10: Ähnlich, wie bei Variante 8, nur diesmal im Halbschlaf nicht die doppelte Menge Kaffee genommen, dafür aber den Zuckerbehälter noch ein zweites Mal verwendet. Das Ergebnis: Dickflüssig und furchtbar schmeckend! Zum Neutralisieren des Geschmackes im Mund kann ich saure Gurken empfehlen.

Variante 11: Bei dieser Art der Zubereitung ging ich etwas neue Wege. Als ich das fertiges Getränk der Kaffeemaschine entnahm, sah ich, dass ich außer dem Mahlkaffee auch noch einen Teebeutel in den Filter gegeben hatte. Dies wirkte sich aber auf den Geschmack nicht sehr aus. Schade, ich dachte schon, ich könnte dieses Getränk zum Patent anmelden.

Variante 12: Hier hatte ich statt Mahlkaffee überhaupt sofort einen Teebeutel in den Filter gegeben. Bemerkt hatte ich dieses aber erst beim ersten Schluck! Das Gesöff schmeckte wie extrem schwacher Tee und wenn man auf Kaffee programmiert ist, kommt der erste Schluck fast einem kleinen Schock gleich!

Ich denke, diese 12 verschiedenen Methoden der Kaffeezubereitung reichen einstweilen, möchte aber noch kurz von einem Versuch erzählen, einen Gegenstand in einem dafür viel zu kleinen Platz unterzubringen. Geschah vor drei Tagen. Ich wollte unbedingt die Dose mit dem Mahlkaffee in die Kaffeemaschine schieben! Kam erst nach einigen Sekunden zu der Erkenntnis, dass mir dies schwerlich gelingen würde, weil da ca. 5 cm an Höhe fehlten!

Wenn so Mancher diese Ausführungen als erfunden betrachtet, dann dementiere ich es auf das Heftigste!! Bei Damen bis Vierzig, die zwei, oder drei Nächte bei mir verbringen möchten, kann ich jederzeit den Beweis antreten.

P.s.: Falls mir noch weitere Varianten "passieren", lasse ich es Sie wissen.

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