Wahlentscheidung leicht gemacht

Die Wahlkampagne ist angelaufen,
Parteien um die Wähler raufen.
Verzweifelt nun die Wahlstrategen,
am Ast des großen Gegners sägen.
Sie sind auch bestens darauf geschult,
wie man um den Wähler buhlt:
Freundlich, gönnerhaft und ungeniert,
wird Honig uns ums Maul geschmiert.
Mein Briefkasten der berstet schier,
so viele Volksvertreter schreiben mir,
das Hohe Haus entbrennt im Streit,
für echte Arbeit ist jetzt keine Zeit.
Auch im Fernseh´n sieht man heute
das "Am dam des" für große Leute.
Lehrreich, wie man´s lang nicht hatte:
Die Vorwahl-Parlamentsdebatte.
Es wird beschuldigt und dementiert,
bissig an des Andern Ehr gerührt,
und im Gerüchte-Almanach
schlägt der Gegner gierig nach.
Das Angebot ist fast zu groß,
was von all dem passt denn bloß?
Statistiken selt´ne Blüten treiben,
wie sehr sie sich doch unterscheiden!
Wie schon bei vergang´nen Wahlen,
hört man grundverschied´ne Zahlen!
Doch wem von allen glaub´ ich mehr?
Die Qual der Wahl bedrückt mich sehr!
Wo soll ich nur mein Kreuz eintragen?
Ich hab´s, ich werd´ die Würfel fragen!
Ich nehm gemäß dem Zweck der Stunde
schwarze Punkte auf hellem Grunde,
wie Flecke auf den weißen Westen
von den Herrn der großen Gesten.
Der Vorteil von dem Spiele ist,
dass man nie der Dumme ist.
Erhielt der falsche meine Huld,
nicht ich, die Würfel waren schuld!


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